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WIE GLAUBENSSÄTZE UNSER KÖRPERGEFÜHL UND UNSERE SEXUALITÄT BEEINFLUSSEN

Aktualisiert: 14. Aug.


Glaubenssätze beeinflussen unser Körpergefühl

Vor Kurzem hatte ich ein schönes Erstgespräch mit einer Klient*in (Verheiratet, schulpflichtige Kinder) bei dem ihre Kernaussage – die ich sehr oft höre - war: «Ich spüre meinen Körper kaum noch, auch und erst recht in der Sexualität» . In einem Umfeld mit vielen strengen Regeln aufgewachsen, hat die Frau viele dieser Glaubenssätze in ihre Partnerschaft mitgenommen. Diese wirken in ihr ganzes Leben hinein, im Alltag, im Umgang mit dem Partner, mit den Kindern, in ihre Sexualität.



GLAUBENSSÄTZE SIND DIE BASIS UNSERER ÜBERZEUGUNGEN UND HABEN IHREN GRUND, DASS SIE DA SIND.

Bevor wir zum konkreten Fall zurückkehren hier ein kurzer Exkurs zum Thema Glaubenssätze:


  • Normen und Erwartungen trugen ursprünglich – vor tausenden von Jahren, als wir noch Höhlenbewohnende waren – zum Überleben der Gruppe bei

  • Glaubenssätze und soziale Normen prägen, wie Menschen ihr Leben, d.h. also auch ihr Sexualität wahrnehmen, erleben und kommunizieren. Sie können Nähe ermöglichen, häufig aber auch Scham, Druck oder Unsicherheit erzeugen.

  • Persönliche Glaubenssätze wie „Sex ist nur in einer festen Beziehung richtig“ oder „Ich muss immer Lust haben“ beeinflussen Wünsche, Grenzen und das Selbstbild.

  • Kulturelle, religiöse und familiäre Normen vermitteln Vorstellungen davon, was als „angemessen“, „normal“ oder tabu gilt. Das kann Sicherheit und Orientierung geben, aber auch Schuldgefühle auslösen.

  • Geschlechterrollen können Erwartungen schaffen, etwa dass Männer sexuell initiativ sein und Frauen zurückhaltend sein sollten. Solche Bilder erschweren eine gleichberechtigte, offene Intimität.

  • Normen rund um Körper, sexuelle Orientierung, Beziehungstypen oder Alter können Menschen stigmatisieren. Das kann dazu führen, dass sie Bedürfnisse verstecken oder sich weniger akzeptiert fühlen.

  • Positiv wirken Werte wie gegenseitiger Respekt, freiwillige Zustimmung, Ehrlichkeit und die Anerkennung vielfältiger Lebensweisen. Sie fördern Vertrauen und eine Intimität, in der beide Personen ihre Grenzen und Wünsche ausdrücken können.



DEN GLAUBENSSÄTZEN AUF DIE SPUR KOMMEN & SIE AKZEPTIEREN

Zurück zum konkreten Fallbeispiel: Was mache ich nun, wenn jemand mit diesem Thema (Glaubenssätze vs. positiv erlebter Sexualität) zu mir kommt? Trauma-sensitive Körperarbeit & Coaching ist immer eine Forschungsreise. Jeder Mensch trägt eine andere Geschichte mit sich im Rucksack. Das bedeutet – und damit haben einige Mühe – es gibt keinen «Knopf» den man drücken kann, kein «diese oder jene Art von Session wird das Problem lösen». Im Zeitalter wo alles via Internet auf Knopfdruck passiert (oder dann via Pillen) erlebe ich eine wachsende Ungeduld, sofort «Lösungen» zu präsentieren. Doch so geht Körperarbeit nicht.


Der erste Schritt ist daher der, den auch Trauma-Therapeutin Dami Charf empfiehlt:  Forschen. Sich beWUSST werden. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Frag Dich:


1.  Welche der obigen (oder anderen) Glaubenssätze und Muster treffen auf mich zu?

2.  Woher, von wem, wie lange schon habe ich diese verinnerlicht? Sei Dir bewusst:


KEIN MENSCH KOMMT MIT GLAUBENSSÄTZEN AUF DIE WELT – SIE WURDEN DIR IMMER VON AUSSEN INS SYSTEM EINGETRICHTERT, ALLERMEISTENS BEREITS IM KINDESALTER


3.  Hinterfrage nun jeden einzelnen dieser Glaubenssätze:

  • Wozu hat er mir in der Vergangenheit gedient? Viele dieser Sätze hatten mal durchaus ihre Berechtigung und agierten, um Dich zu schützen.

  • Wozu dient er mir heute noch? Eventuell wirst Du schockiert sind wenn Du den Mut hast wirklich genau hinzuschauen: Viele dieser Sätze dienen Dir nicht nur nicht mehr, ja sie behindern Dich sogar.


4.     Akzeptiere die Tatsache, dass diese nun mal Teil Deiner Lebensgeschichte waren bzw. sind. Ja, die Akzeptanz kann sehr schmerzvoll sein. Es ist jedoch sehr wichtig, diesen Schmerz wirklich zu fühlen. Denn als er entstanden ist, hat Dein System "automatisch" alles dafür getan diesen Schmerz erträglich(er) zu machen, in dem es vor der Situation geflüchtet ist - mit einer der vier Trauma-Reaktionen Fight, Flight, Freeze oder Fawn. Alle haben dafür gesorgt, dass Du den Schmerz nicht fertig fühlen konntest.


Die Folge davon ist: Nicht fertig gefühlte Emotionen werden als Schmerz, Blockaden, bis hin zu konkreten Krankheiten und Gebresten im Körper gespeichert. Sowohl Somatic Experiencing wie auch De-Armouring (die Methode die ich anwende) gehen davon aus, dass wenn der angefangene Schmerz, die Wut, die Trauer fertig gefühlt werden, sich viele Blockaden aus dem Körper lösen.


Für all das kannst Du nichts dafür – Im Alter von 0-7 warst Du immer das Opfer, und in einer Situation mit totalem Kontrollverlust (Überfall, Unfall, Missbrauch usw) auch. Du darfst Dich selber also liebevoll in den Arm nehmen: «Ich kann nichts dafür, dass es so war. Ich habe immer das beste gewollt. Doch HEUTE bin ich gross geworden. Eine schöne, erwachsene Frau. Ich nehme das Steuer ab sofort in die Hand – und zwar WIE ich mit den Glaubenssätzen umgehe bzw. diese durch neue, für mich positive überschreibe».



IDENTIFIZIERE DEINE NEGATIVEN SEXUELLEN GLAUBENSSÄTZE UND GIB SIE DEM PÖSTLER ZURÜCK!


Positiv besetzte Glaubenssätze begünstigen Nähe und Intimität

Der Zweite Schritt ist nun, Dir beWUSST zu werden, welche/r Glaubenssatz ganz speziell für Deine Sexualität zutrifft bzw. sie negativ beeinflusst. Und diese in einem Ritual «dem Absender zurückgibst».


Beispiele für hinderliche Glaubenssätze:

  • „Ich muss immer funktionieren und perfekt sein“: Leistungsdruck führt zu Verkrampfung, Angst vor dem Versagen und dem Verlust der spontanen Lust.

  • „Sex muss immer mit einem Orgasmus enden“: Dies setzt beide Partner unter Druck; der Weg und die Intimität verlieren an Wert, wenn das Ziel verpasst wird. 

  • „Mein Körper ist nicht gut genug“: Schamgefühle über das eigene Aussehen oder Alter verhindern, dass man sich fallen lässt und körperliche Nähe genießt.

  • „Sex vor der Ehe/außerhalb fester Normen ist schmutzig“: Moralisch oder religiös geprägte Tabus erzeugen oft tiefe Schuldgefühle und eine Spaltung zwischen Körperlichkeit und emotionaler Hingabe.


In Beziehung und Sexualität führen viele Überzeugungen zu einer Art "Idealisierung", einer Überbewertung der gewählten Beziehungsform. Wenn ein solcher Satz z.B. lautet: «Ausserhalb einer festen Beziehung darf man keinen Sex haben», dann spür mal rein – sei ehrlich mit Dir selber: Glaube ich das wirklich, dass es so sein MUSS? Warum glaube ich das? Was ist mir wichtig dabei? Steckt da evtl. etwas ganz tief verborgenes dahinter, wie Scham («die könnten mich als Hure anschauen»), Ängste («da kann ich mir ja tausend Geschlechtskrankheiten holen»), Angst vor dem Gesichtsverlust innerhalb der Sippe/Familie («Das macht man bei uns nicht!»), Verlustängste («Mein Partner wird mich mit Sicherheit verlassen») und vieles mehr.


Sie dabei ganz Dich selbst: Wie würdest Du entscheiden, wenn es diese Normen/Erwartungen NICHT gäbe? Versuche dieses Gedankenspiel mal, Du könntest überrascht sein…😉.


Beispiele für fördernde Glaubenssätze:

  • „Mein Körper ist gut, so wie er ist“: Akzeptanz schafft ein sicheres Gefühl, das die Basis für echten Genuss und Entspannung bildet (siehe auch letzter Blog)

  • „Sex darf leicht sein und sich verändern“: Die Erlaubnis, dass Lust kommt und geht und sich im Laufe des Lebens wandelt, nimmt den Druck.

  • „Ich darf sagen, was ich brauche“: Die Überzeugung, dass Wünsche und Grenzen kommuniziert werden dürfen, vertieft die Intimität zum Partner.


Schreib nun die Glaubenssätze die Dir für Deine Sexualität nicht mehr dienlich sind auf rote Zettel. Ein Satz pro Zettel. Lass die Zettel wirken. Und dann übergibst Du diese Zettel in einem Dir entsprechenden Ritual (Feuer, Wasser usw.) dem Universum bzw. schickst ihn dem Absender zurück. Einer nach dem anderen. Sprichst ihn laut aus. Und sagst zum Beispiel: «Danke, dass Du mir in gewissen Situationen geholfen hast. Doch jetzt brauche ich Dich nicht mehr. Gehe dorthin wo Du her kommst. Ich lasse es nicht mehr zu, dass Du meine Sexualität so schuldbehaftet machst».


Bewusst nicht mehr Dienliches loslassen

DIE ARBEIT MIT KÖRPER UND NERVENSYSTEM

Das Sich Mental damit befassen kann bereits eine gewisse Entspannung im Körper bewirken: Das Wissen um Zusammenhänge macht uns gelassener. Doch das Grundgefühl bleibt. Wir spüren unseren Körper nicht gut. Das kann und hat häufig Entwicklungs- und Schocktraumatische Hintergründe – diese sind zu vielschichtig und komplex, um hier darauf einzugehen. Werden wir also etwas konkreter, fassbarer - mit Impulsen, die einfach verständlich und umsetzbar sind und die Dein Körpergefühl verbessern.


➡️ IMPULS 1: POSITIVES MINDSET MACHT SEXY!

Mindset

Alle negativ besetzten Wörter ziehen uns runter. Es geht hier nicht ums zwischendurch mal Herzhaft fluchen: "Fuck, das ist jetzt wirklich total Scheisse hier!" Das ist definitiv gut für Deine Psychohygiene, wenn Du diesen Emotionen freien Lauf lassen kannst. Nein, es geht um repetitive Muster. Wenn Du z.B. das Wort «Stress» regelmässig, d.h. mehrmals am Tag laut oder innerlich sagst, produziert das noch mehr «Stress». Wörter können unheimlich viel bewirken in uns. Unser Körper beginnt sich immer mehr zusammen zu ziehen – gewisse Muskeln, das Nervensystem, auch der Gesichtsausdruck wird «härter». Versuche «Stress» und alle anderen negativ besetzten Worte zu vermeiden und stattdessen solche zu verwenden, die mehr positive Kraft besitzen. "Es ist gerade herausfordernd" tönt doch schon viel positiver als "ich bin im Stress". Dies wirkt sich bald einmal auf Dein Körpergefühl genauso aus wie auf auf Deine Ausstrahlung. Wer sich spürt und mit einem positiven Grundvibe durchs Leben geht, wirkt sexuell anziehend(er)!



➡️ IMPULS 2: DIE INNERE UND ÄUSSERE GRUNDHALTUNG ZEIGTS


Positive Körpersprache kann man üben!

Ja, wenn wir traurig sind, sieht man uns das an - hoffentlich. Doch das sollte ein temporärer Zustand ein. Wenn wir dauernd nur To-do-Listen hinterherrennen, dann findest Du Dich unmerklich immer mehr in einer mehr "geduckten" Haltung wieder - gleichsam einem Computer-Nerd, der ganze Nächte hindurch auf seinen Laptop starrt. Und Du merkst es bald nicht einmal mehr dass Du dem Glöckner vom Notre Dame beginnst Konkurrenz zu machen. Dass ein solche Haltung einem guten Körpergefühl nicht förderlich versteht sich von selbst. Dagegen hilft eine simple Übung:


Stelle Dich jeden Morgen vor dem Spiegel bewusst mit herausgestreckter Brust hin: «Ich bin der/die Grösste!. Ich schaffe das!» Das tönt narzistisch – doch täglich 30 Sekunden und Du wirst mit einer anderen (positiveren) Haltung durchs Leben gehen. Und allein dies trägt dazu bei, Dich besser zu spüren und deshalb auch zu fühlen. Auch gewisse Yoga-Positionen wie "Die Kriegerin" (s. Bild) eignen sich gut dafür.



➡️ IMPULS 3: ATME!


Bewusst Atmen, am besten in der stillen Natur, stärkt das Körpergefühl

Wenn wir unter Druck sind, atmen wir sehr oft nicht mehr richtig, sprich sehr oberflächlich aus der Brust heraus und zu schnell. Wenn wir dies tun, ist es unmöglich, unseren Körper gut zu spüren. Ein bewusster, tiefer Atem durch alle Chakren hindurch (d.h. von Kopf bis Fuss) verbindet unser Fühlen mit unserem Körper, wir spüren uns (wieder).  Folgend einfache Beispiele, die Du mit praktisch Null Zeitaufwand in Deinen Alltag einbauen kannst:


  • Du hast den Bus verpasst? Bleib einfach stehen und atme drei Mal tief durch. Du darfst auch ein Geräusch dazu machen wie einen «Seufzer» - beides hilft Dein Nervensystem zu regulieren.

  • Generell länger aus- als einatmen: Mach das öfter ein paar Mal und Du merkst sofort, wie Dein System entspannter ist.

  • Ebenfalls ein Grundprinzip: Mit dem geschlossenen Mund atmen macht ruhiger. Und in einem ruhigeren Zustand kannst Du Deinen Körper besser spüren. Tönt simpel und ist es auch…

  • Und noch besser: Mach einen Waldspaziergang. Das braucht zwar mehr Zeit, ist aber eine Wohltat für unser ganzes System!


 

➡️ IMPULS 4: DEINE FÜNF SINNE WAHRNEHMEN


Bewusstes, forschendes Berühren des eigenen Körpers für mehr Körperbewusstsein

Den eigenen Körper gut spüren ist die Basis für ein erfülltes Liebes- und Sexleben. Richte einmal – ganz für Dich allein, ohne Störungen, Raum geschlossen für andere – mindestens eine halbe Stunde Zeit ganz für Dich allein ein. Beginne nun eine Sinnesreise durch alle Deine fünf Sinne. Bleibe in der beobachtenden Rolle – ver- und beurteile nicht.


  • Rieche: Deine Haut an verschiedenen Stellen. Gibt es Unterschiede? Ertappst Du Dich beim Werten ("das hier riecht aber besser als das da")?

  • Schmecke: z.B. Deinen Speichel im Mund. Den Kaffee den Du gerade getrunken hast. Wie ist das - süss? sauer? salzig? bitter? fett?

  • Berühre: Streichle Dein Gesicht ganz sanft. Was macht das mit Dir? Bleib neugierig und versuche verschiedene Arten der Berührung: Fingerspitze, Nägel, Oberseite der Hand, Unterarm usw..

  • Lausche den Geräuschen die Du gerade hörst: Ein Vogel der zwitschert? Ein Bus der vorbei fährt? Vielleicht hörst Du sogar Deinen eigenen Atem? Musik im Hintergrund? Lässt Du Dich ablenken oder kannst Du ganz bei Dir bleiben?

  • Schau Dich um: Wohin zieht es Deinen Blick? Bleibst Du an bestimmten Dingen hängen oder schweifst Du neugierig umher? Gibt es visuelle Trigger, die Dich stressen?


Das beWUSSTE Erleben der eigenen Sinneswelt – dies auch zulassen zu können, sich Zeit dafür zu nehmen – trägt entscheidend dazu bei, Sexualität als etwas Schönes, Verbindendes zu erleben. Und die fünf Sinne laden geradezu ein, damit zu «spielen»: Verbindet Euch mal die Augen und füttert den anderen mit etwas was der/die andere nicht weiss was es ist….🤭… die Spielwiese für ein solches spielerisches Herangehen an Sexualität ist schier endlos.


Fragen, Inputs, Kommentare? Gerne hier oder auf Deinem bevorzugten Kanal…


Viel Spass beim Erforschen und Spielen wünscht

♥️🤗

Markus


➡️ Tipps für Podcasts zum Thema:

 

PS: Diese Beiträge hier können nur Teilaspekte eines Themas beleuchten – Trauma-sensitives ist immer komplex. Und bei den Teilaspekten versuche ich, mich wenn möglich nicht in «Fach-Chinesisch» zu verlieren, sondern eine Sprache zu benutzen, zu der jeder/jede der deutschen Sprache mächtige/r Zugang hat….🙏


PPS: Nächster Intimate Room online mit Oriana:

MI 26.8.28.20 Uhr. Login: http://meet.google.com/hbw-tvpx-umj

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