UMFRAGE UND THEMEN-INPUT: Beziehungsstress und der konstruktive Umgang damit
- Markus Mühlbacher
- 5. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Wie Ihr inzwischen wisst, überarbeite ich gerade mit Unterstützung von Oriana und der TING-Community das Konzept von Healing Bodywork mit dem Ziel, mit mehr online-tauglichen Angeboten professioneller, konsistenter und für meine Gesundheit (körperlich und finanziell) nachhaltiger arbeiten zu können.
Ein Teil davon ist es, den Themen-Kreis (welcher schlussendlich dann die Angebote und die «Toolbox» definiert) klarer und Klient*innen-orientierter zu fokussieren.
Umfrage:
Gibt es Themen rund um Trauma-sensitive Körperarbeit, die Dich ganz persönlich interessieren? Themen, mit Denen Du Dir vorstellen könntest zu mir zu kommen? Falls ja, schreib bitte Dein Thema in die Kommentare. Ich werde diese sammeln und in die Arbeit mit aufnehmen.
Beispielthema heute: Beziehungs-Stress und der konstruktive Umgang damit
In meiner Arbeit in der trauma-sensitiven Körperarbeit ist es eines der dominierenden Themas: Beziehungs-Stress. Gerade in der Ferienzeit akzentuieren sich ungelöste Konflikte. Er schaut Fussball-WM, während sie lieber zusammen am Seeufer sitzen und plaudern möchte. Sie möchte in den Ferien ein Luxushotel, während er eine einfache Strandhütte vorzieht. Er meint, dass es für Kleider «eh zu heiss» ist und läuft am liebsten nackt in der Wohnung herum. Das käme für sie überhaupt nicht in Frage. Und so weiter…
Wichtig ist: Beziehungsstress ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass eine Beziehung "falsch" ist. Oft zeigt er, dass zwei Menschen unterschiedliche Bedürfnisse, Verletzungen oder Erwartungen mitbringen.
Häufige Ursachen sind:
Missverständnisse und unterschiedliche Kommunikationsstile. Nicht-Kommunikation – aus Angst den anderen zu verletzen – ist zum Beispiel genauso verletzend wie der persönliche Angriff: «DU hast wieder mal…!». Viele sind sich dessen nicht bewusst. «Gewaltfreie Kommunikation» GFK ist zwar auch ein Konzept (von Marshall B. Rosenberg), ist aber auch eine Haltung: Wenn Du von Dir und Deinen Bedürfnissen ausgehst und in der «Ich-Form» kommunizierst, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit de-eskalierend wirken ➡️ Impuls 1
Unerfüllte Bedürfnisse, z. B. nach Nähe, Freiraum, Wertschätzung oder Sicherheit. Fühlst Du Dich gerade sehr bedürftig? Dies ist in den wenigsten Situationen sexuell anziehend für Dein Gegenüber.
Alte Verletzungen oder Bindungsmuster, die durch den Partner aktiviert werden. Schon Peter Levine – «Erfinder» der Somatic Experiencing-Methode – brachte es in seinem wichtigen Buch «Sprache ohne Worte» auf den Punkt: «Willst Du Deine nicht-integrierten Traumata aktivieren, geh in Beziehung!» Wenn Du zum Beispiel ein negatives Körper-Selbstbild hast, wirkt sich dies unbewusst auch auf die Beziehung aus ➡️ Impuls 2
Stress von außen, etwa durch Arbeit, Familie oder finanzielle Belastungen. Ständig am Limit zu laufen hat noch den wenigsten Beziehungen geholfen…
Unausgesprochene Erwartungen, die der andere gar nicht kennen kann. Dinge die Du als «ist doch klar! Ist doch logisch!» betrachtest sieht Dein Gegenüber vielleicht ganz anders. ➡️ Impuls 3
Gerade wenn zwei Menschen sich wichtig sind, können Konflikte besonders intensiv sein. Das Nervensystem reagiert dann nicht nur auf den aktuellen Streit, sondern manchmal auch auf frühere Erfahrungen von Ablehnung, Verlassenwerden oder Kontrollverlust. Die meisten dieser Erfahrungen haben wir als Kind zwischen 0 und 7 Jahren gemacht. Dabei ist der Konflikt oft das, was man sieht, Stress im Nervensystem das, was darunter liegt. Ein Nervensystem das ständig im Alarm-Modus auf «on» ist («Over-Arousal», «sympatisch»), reagiert viel schneller und empfindlicher auf Schwierigkeiten als eines das gut reguliert durch den Alltag geht. Dasselbe lässt sich von einem unter-regulierten System sagen («parasympatisch»).
In einer angespannten Situation kann es deshalb hilfreicher sein, zunächst inne zu halten und sich zu fragen:
Was spüre ich gerade in meinem Körper?
Was brauche ich im Moment wirklich?
Wovor möchte mich mein Nervensystem gerade schützen?
Kann ich das meinem Gegenüber mitteilen, ohne ihm die Schuld zu geben?
Letztlich entscheidet nicht, ob es Stress gibt, sondern wie ein Paar damit umgeht. Beziehungen werden meist nicht durch Konflikte zerstört, sondern dadurch, dass Konflikte zu wiederholter Kritik, Abwertung, Rückzug oder Resignation führen, ohne dass beide wieder zueinander finden.
Ein Zeichen einer tragfähigen Beziehung ist deshalb nicht Konfliktfreiheit, sondern die Fähigkeit, nach einem Konflikt wieder Verbindung herzustellen – mit Ehrlichkeit, Mitgefühl und der Bereitschaft, den anderen wirklich verstehen zu wollen.
Ein konstruktiver Umgang mit Beziehungs-Themen ist – und das ist die gute Nachricht – immer und jederzeit lernbar, selbst mit komplexen Trauma-Dynamiken.
An dieser Stelle drei Impulse aus meiner «Toolbox»:
➡️ Impuls 1: Gewaltfreie Kommunikation ist sinnvollerweise bereits Teil Deiner INNEREN HALTUNG BEVOR DU IN (LIEBES-) BEZIEHUNG GEHST! Wenn Du also von Dir selber weisst: «Ich werde leicht getriggert, ich werde dann sofort emotional und reagiere gereizt», dann lohnt es sich genauer hinzuschauen: Woher kommen diese Trigger? Was ist die tieferliegende Ursache? Wie kann ich Gewaltfreie Kommunikation (GFK) üben und integrieren?

Eine einfache Übung die Du jeden Tag für Dich selber machen kannst wenn Du wieder mal auf 180 bist sind die folgenden vier Schritte. Sobald Du diesen Ablauf etwas verinnerlicht hast, kannst Du dasselbe mit Deinem Partner, Deiner Partnerin üben:
Beobachte Dich selbst und sprich mit Dir selbst, z.B. «Ich nehme war dass… (ich gerade gestresst bin von…)
Beschreibe das innere Gefühl, z.B.: «Ich fühle mich deshalb gerade nicht gesehen»
Identifiziere Dein zugrunde liegendes Bedürfnis, z.B.: «Mein Bedürfnis ist, dass ich und meine Gefühle wahrgenommen werden»
Überlege Dir einen Vorschlag (In der Kommunikation eine Bitte an Dein Gegenüber), der unkompliziert und sofort umsetzbar ist, wie z.B: «Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam entscheiden wohin wir morgen fahren werden.»
➡️ Impuls 2: Spiegelübung: Stark stress-reduzierend ist ein positives Selbst-Bild inklusive Körper. Versuche, Dich von Social Media-Hypes nicht unter Druck setzen zu lassen: Das meiste was Du da siehst ist im besten Fall aufgepimpt, immer häufiger jedoch auch KI, d.h. nicht real. Real ist jedoch das, was Du im Spiegel siehst… hier hilft also eine einfache Variante der Spiegelübung:

Schau jeden Morgen in den Spiegel – am besten einer, in dem Du Deinen ganzen Körper siehst. Und sprich laut mit Deinem Spiegelbild: «Anna (Dein Name), ich liebe Dich so wie Du bist. Du bist schön genauso wie Du bist. Alles an mir gehört zu mir und macht mich einzigartig».
Das tönt vielleicht etwas «esoterisch» - doch aus der Psychologie wissen wir: Selbst wenn Du diese Sätze zuerst mal gar nicht glaubst, sie haben ihre Wirkung. Wichtig ist: Wiederholung. Immer wieder. Mindestens 21 Tage….Du kanns diese Übung bekleidet, in Unterwäsche, nackt machen… so wie es für Dich stimmig ist. Am Einfachsten ist der Einstieg wenn Du allein bist. Fühlst Du Dich schon etwas sicherer, kannst Du Deinen Partner, Deine Partnerin (oder irgend jemanden dem/der Du vertraust) bitten Dir dabei zuzuschauen.
➡️ Impuls 3: Erwartungshaltungen korrigieren. Werde Dir beWUSST: Erwartungen gehören zu unserem Leben dazu, können Dein Leben jedoch ruinieren, also auch Deine Beziehung. Und zwar dann, wenn die Erwartung mit der Realität wenig oder nichts zu tun hat. Hör mal den folgenden Podcast der bekannten Trauma-Therapeutin Dami Charf und lass ihn auf Dich wirken: https://www.youtube.com/watch?v=cC-biwNdKgs

Es geht also auch hier darum, dass Du Dir beWUSST wirst, was genau Dich im Unterbewusstsein steuert. Und dann diese Erwartungen mit dem Gegenüber zu klären., gleichsam einem "Reality-Check" zu unterziehen. Du darfst erwarten dass man Dir zuhört, Dich sieht und spürt. Doch erwarte nicht, dass Deine Erwartungen immer erfüllt werden, ganz im Gegenteil. Dein Gegenüber darf immer selber entscheiden ob er oder sie darauf einsteigen will oder nicht. Dasselbe gilt auch für Dich!
Ich wünsche Dir eine gute Zeit mit diesem Thema, mit diesen Impulsen. Nimm sie als das was sie sind: Hinweise, Ideen. Eine Einladung, die Du annehmen kannst oder auch nicht. Feel free!
Mit einer herzlichen Umarmung
♥️🤗
Markus


Kommentare